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CFA Institute setzt sich für höhere Transparenz im Bondmarkt ein

01.12.2011 16:56 Age: 84 days


Frankfurt, 1. Dezember 2011 - Basierend auf einer Studie empfiehlt das CFA Institute, die Nachhandels-Transparenzvorschriften für Anleihetransaktionen gemäß der Markets in Financial Instruments Directive (MiFID II) stufenweise einzuführen. Investoren würden als Folge von verbessertem Zugang zu Preisinformationen und von verstärktem Wettbewerb profitieren, ohne Liquiditätseinbußen hinnehmen zu müssen. 

An den europäischen Börsen werden rund 6.000 Aktien gehandelt. Weniger bekannt ist, dass an Europas Anleihemärkten über 150.000 Schuldtitel ausstehend sind. Während Aktien ewig laufen und die Unternehmen höchstens zwei bis drei unterschiedliche Klassen begeben, werden die Schuldtitel eines Unternehmens zeitlich limitiert, gestaffelt und in diversen Währüngen emittiert.

Informationsasymmetrien beseitigen

Da sich der Aktienhandel auf weniger Titel beschränkt, ist er schon von Natur aus liquider und transparenter als der Anleihenhandel und erfolgt oft in Echtzeit. Das Handelsvolumen in Anleihen ist zwar rund zehnmal höher als das in Aktien, die Handelsfrequenz ist jedoch viel niedriger. Deshalb werden Anleihen in der Regel außerbörslich oder bilateral gehandelt und nicht an den großen regulären Börsen. Der Anleihenmarkt wird vom Market-Maker-Prinzip dominiert, wo die Marktmacher verbindliche Kurse stellen (Quote-Driven-Market) und den Anlegern zur Verfügung stellen.

"Dies kann im Obligationenhandel zu einem ungleichen Zugang zu Informationen über Preise und Marktbedingungen führen. Derartige Informationsasymmetrien können von einigen professionellen Marktteilnehmern ausgenutzt werden und sogar zu willkürlichen Preisfestsetzungen führen. Weniger professionelle Anleger sind also benachteiligt und könnten abgeschreckt werden, was wiederum die Liquidität beeinträchtigt", sagt Susan Spinner, CFA, Geschäftsführerin der German CFA Society.


Effizienz erhöhen

"Eine Verbesserung der Informationssymmetrie bzw. der Transparenz könnte die Effizienz der Anleihemärkte markant verbessern und die Attraktivität für neue Anlegergruppen erhöhen", so Rhodri Preece, Leiter Kapitalmarktpolitik beim CFA Institute in London. In seiner Studie "An Examination of Transparency in European Bond Markets" analysiert das CFA Institute den europäischen Anleihenhandel und zeigt Lösungsansätze auf. Grundsätzlich zielen diese in Richtung von börsenähnlichen Plattformen. In einer Umfrage des CFA Institutes bestätigen 76% der teilnehmenden Mitglieder, dass die Kosten solcher Handelssysteme durch deren Vorteile aufgewogen würden.

Laut CFA Institute bildet die EU-Finanzmarktdirektive (Markets in Financial Instruments Directive bzw. MiFID) einen soliden Lösungsansatz. Sie sieht vor, dass die Anforderungen an die Vor- und Nachhandels-Transparenz über die Aktienböresen hinaus auch auf die Anleihemärkte ausgeweitet werden sollen. Insofern begrüßt das CFA Institute in der EU die Einführungen einer öffentlichen Berichterstattung für Anleihentransaktionen, die gemäß der folgenden Punkte umgesetzt werden soll:

  • Die Berichterstattung sollte Auskunft über das Transaktionsvolumen im Vergleich zum Emissionsvolumen sowie über die jüngsten Transaktionen in einer Emission geben.
  • Da die Marktteilnehmer Zeit benötigen werden, um ihre Handelsprozesse auf die neuen Transparenzanforderungen anzupassen, sollten die neuen Vorschriften stufenweise umgesetzt werden. Dies würde das Risiko eines vorübergehenden Liquiditätsschocks mindern.
  • Die Behörden sollten minimale Standards bezüglich der inhaltlichen und formellen Ausgestaltung der Berichterstattung setzen. Dies ist notwendig, um eine Konsolidierung der Nachhandelsdaten zu erleichtern und so den Anlegern einen Überblick über die Transaktionen an den Anleihemärkten zu vermitteln.


Erfahrungen in Italien und den USA ermutigend

Das CFA Institute berücksichtigt in der Analyse die Erfahrungen Italiens, das als einziges Land in Europa die Transparenzvorschriften für Anleihetransaktionen bereits ausgeweitet hat. Zudem analysiert die Studie das US-amerikanische TRACE-System, welches 2002 eingeführt wurde, um die Nachhandels-Transparenz für Unternehmensanleihen zu erhöhen.


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